Adipositas/Übergewicht beim Hund

Die Zahl übergewichtiger Hunde nimmt zu, ganz ähnlich wie beim Menschen Adipositas ein ernstes Problem darstellt. Schätzungsweise 25-50 % aller Haushunde liegen mit ihrem Gewicht über der Norm. Man ist fast versucht zu sagen, wie der Mensch, so das Tier. Diese Behauptung vereinfacht das Problem jedoch zu sehr. Übergewicht bei Hunden kann verschiedene Ursachen haben und ist eine komplexe Angelegenheit.

Was bedeutet Adipositas bei Hunden?

Adipositas ist der medizinische Fachausdruck für einen chronischen Zustand, bei dem der Körper des Hundes über das normale Maß Fettgewebe angesammelt hat und bei dem deshalb Folgeerkrankungen drohen. Weitere Bezeichnungen für diesen Zustand sind Fettleibigkeit oder Obesitas. Nicht jedes Übergewicht ist als adipös anzusehen, wobei die Grenzen zwischen etwas Übergewicht und einer deutlich entwickelten Adipositas fließend sind. Insgesamt geht es bei der Frage von zu viel Gewicht immer darum, dass dem tierischen Organismus auf Dauer mehr Energie zugeführt wird als er verbraucht. Das Ergebnis sind zusätzliche Fettpolster.

Wann ist mein Hund übergewichtig?

Um das Gewicht des Hundes einschätzen und bewerten zu können, findet der sogenannte Body Condition Score oder BCS Anwendung, der von Tierärzten entwickelt wurde. Auf einer Skala von BCS 1 (stark untergewichtig) bis zu BCS 5 (stark übergewichtig) reicht die Bewertung. Ermittelt wird der BCS, indem der Körper des Hundes seitlich und von oben, abtastend sowie optisch analysiert wird. Ideal ist ein BCS 3.

Für den BCS 3 gilt:
Die Rippen des Hundes sind gut tastbar und die Beckenknochen sowie die Wirbelfortsätze weisen keine vermehrten Fettabdeckungen auf. Von der Seite betrachtet ist die Bauchlinie des Hundes vom Rippenbogen zur Leiste ansteigend zu sehen, von oben ist die Taille klar erkennbar.

Entsprechend ist die Taille bei BCS 4 und BCS 5 kaum mehr erkennbar, und es lassen sich zunehmend Fettansätze erkennen und fühlen.

Vielfach wird auch ein Abgleich des Gewichts mit dem der Elterntiere oder dem Rassestandard bei Rassehunden durchgeführt.

Abgestuft spricht man bei 10 % über dem Idealgewicht von einer beginnenden, bei 20 % von einer bereits manifesten Fettleibigkeit (Adipositas) beim Hund.

Wie entsteht Übergewicht beim Hund?

Fettleibigkeit bei Hunden ist mit einer überhöhten Energiezufuhr verbunden, die den individuellen Energiebedarf des Tieres übersteigt. Der Energiebedarf eines Hundes bildet sich aus dem sogenannten Erhaltungsbedarf auf der einen Seite, auf der anderen Seite aus dem Leistungsbedarf. Letzterer ist der Bedarf, der sich aus Bewegung und Aktivität, Schwangerschaft und Wachstum speist. Wird längere Zeit mehr Energie vom tierischen Organismus aufgenommen als benötigt, speichert dieser die überschüssige Energie als Fettpolster ab.

Wenn Hunde bereits in den ersten Monaten ihres Lebens zu viel Energie aufnehmen, bilden sich bei ihnen mehr Fettzellen als bei den normal ernährten Hunden. Die Anzahl dieser Fettzellen kann nie mehr reduziert werden, lediglich ihr Umfang kann verringert werden. Tiere, die also bereits im Welpenalter und in der Wachstumsphase zu viel wiegen, nehmen deshalb als erwachsene Tiere nur schwer ab.

Die Ursachen für Übergewicht sind komplex. In Betracht kommen zum Beispiel:

  • genetische Vorbelastungen bei bestimmten Rassen.
  • zu wenig Bewegung.
  • Ernährungsfehler
  • bestimmte Erkrankungen und/oder Arzneimittel.

Wird nicht altersgerecht gefüttert - im Alter liegt der Energiebedarf bei Hunden rund 20 % niedriger als in jungen Jahren - entsteht ebenfalls Übergewicht. Auch die Kastration verringert den Energiebedarf, weil der Aktivitätslevel der kastrierten Tiere sinkt. Wird also nach einer Kastration normal weiter gefüttert, werden die Tiere häufig zu dick.

Sehr oft haben übergewichtige Menschen übergewichtige Hunde.

Welche Hunderassen neigen genetisch zu Übergewicht?

Labradore, Golden Retriever, Beagle und Cocker Spaniel sind gefährdet, eine Adipositas zu entwickeln. Auch von Hause aus massige Tiere wie Molosserrassen und Doggen sind anfällig für mehr Gewicht als gut für sie ist.

Welche gesundheitlichen Folgen drohen Hunden mit Adipositas?

Übergewicht schränkt die Lebensqualität betroffener Tiere stark ein. Es können sich Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, außerdem Gelenksschäden, Herz- und Kreislauferkrankungen und Immunschwächen entwickeln. Selbst Tumore stehen nach neuen Erkenntnissen mit Adipositas im Zusammenhang, ebenso wie manche Hauterkrankungen.

Dicke Hunde haben eine um 20% geringere Lebenserwartung als normalgewichtige Tiere und ein großes Narkoserisiko.

Wie wird Übergewicht behandelt?

Wer den Verdacht hat, sein Hund sei zu dick, sollte ihn beim Tierarzt vorstellen. Bestätigt sich der Verdacht, wird mit dem Veterinär eine Ernährungsumstellung auf kalorienreduziertes Futter festgelegt, wobei die Dosierung individuell aus dem Erhaltungsbedarf des jeweiligen Hundes berechnet wird.

Mit etwa 60% des berechneten Erhaltungsbedarfs lässt sich regelmäßig ein Gewichtsabbau einleiten. Eine bloße Reduzierung des normalen Futters kann leicht zu Nährstoffmangel führen. Neben der Futterumstellung sollte über eine behutsame Anhebung des Aktivitätslevels gesprochen und diese umgesetzt werden.

Alternative Behandlungsmethoden bei Adipositas

In Betracht kommt eine homöopathische Konstitutionsbehandlung, die vom Tierarzt oder Tierheilpraktiker individuell für das Tier bestimmt wird. Typische Mittel bei Adipositas sind

Von einer Behandlung durch den Laien ist abzuraten, da hier ganz individuell die Situation des einzelnen Hundes bewertet werden muss, andernfalls können die hilfreichen Globuli nicht ihre volle Wirkung entfalten.

Auch Schüssler-Salze wie

sind häufig hilfreich. Jedoch sollte auch hier eine Absprache mit dem Experten erfolgen, da Adipositas ein sehr komplexes gesundheitliches Problem ist.

Vorbeugung ist die beste Behandlung

Wer seinen Hund liebt, vermeidet Übergewicht von Beginn an. Da Fertigfutter sehr energiereich ist, kann Barfen eine gute Fütterungsalternative sein. Rohgefütterte Hunde sind selten zu dick. Leckerlies im Übermaß fördern Übergewicht.
Dagegen sorgen eine angemessene Bewegung und artgerechte Aktivität dafür, dass der Hund mehr Energie verbraucht und schlank bleibt.

Rassen, die zum "Futterklau" neigen wie beispielsweise Beagle und Labradore sollten von Nahrungsquellen außerhalb der geregelten Futterzeiten konsequent ferngehalten werden.

Es gilt insgesamt der Grundsatz, dass Übergewicht leichter zu vermeiden ist als es später zu reduzieren ist. Wer dies beherzigt, kann seinen Hund ein Leben lang angemessen schlank halten und sichert dessen Lebensqualität.

Quellen

Autorinbild
Autor: Thomas

Etwa 8 Mio. Hunde leben in deutschen Haushalten - gesorgt wird sich um die Vierbeiner wie um das eigene Kind. Mit dieser Seite möchte ich euch gern leicht verständliche Informationen rund um die Hundegesundheit zur Verfügung stellen. Zur Seite steht mir eine Tierheilpraktikerin, die das ganze fachlich abrundet.