Der Kangal - der wachsame Türke

Der Kangal ist ein türkischer Hütehund, der international noch nicht als echte Rasse anerkannt ist. Die Rasse ist damit noch in der Entwicklung begriffen. In der Türkei bildet der Kangal auf nationaler Ebene bereits einen eigenen Rassestandard. Kangals sind imposante cremefarbene Hütehunde, die durch eine charakteristische schwarze Kennzeichnung im Bereich der Schnauze auffallen. Sie heißen in der Türkei deshalb auch Karabas, was so viel wie "schwarzer Kopf" heißt. Man spricht weiterhin von anatolischen Hütehunden und der übergeordneten Rasse Çoban-Köpegi, die verschiedene Ausprägungen der Hütehunde umfasst. Seinen Namen erhielt der Kangal von einer gleichnahmigen Stadt in der türkischen Provinz Sivas und einer dort ansässigen, ebenfalls gleichnamigen Familie, die sich intensiv mit seiner Zucht auseinandersetzte.

In letzter Zeit sieht man Kangals auch bei uns öfter auf der Straße. Man begann in der Türkei in den 1960er Jahren damit, Kangals weltweit zu verkaufen. Der Hund ist aufgrund seiner Größe und Erscheinung nicht zu übersehen. Äußerlich macht der Kangal zunächst einen ruhigen Eindruck, was aber nicht über seine ausgeprägte Wachsamkeit hinwegtäuschen darf. Ihm entgeht nichts und er kann blitzschnell reagieren, wenn ihm das notwendig erscheint. Als Hütehunde sind Kangals sehr selbstständig und selbstbewusst, so dass er kein Hund für Jedermann ist.

Das Wichtigste in Kürze

Lebenserwartung: 9-11 Jahre
Namen: Kangal
Familie: Molosser, Hüte- und Herdenhund, Berghund
Ursprungsland: Türkei
Temperament: empfindlich, wachsam, ruhig, ausgeprägter Schutztrieb, mutig, hart, dominant, bei guter Haltung freundlich, sensibel
Farben: creme-eierschalfarben mit einer schwarzen Maske im Schnauzenbereich
Gewicht: Weibchen: 41-54 kg, Männchen: 50-66 kg
Größe: Weibchen: 72-77 cm, Männchen: 77-86 cm
Pflegeaufwand: leicht
Erziehung: anspruchsvoll, nur für erfahrene Hundehalter mit viel Zeit
Benötigt sehr großen Auslauf: ja
Kinderfreundlich: bedingt, kommt auf Erziehung und Haltung an, kann starken Schutztrieb im Hinblick auf die Familie entwickeln, ist sehr treu
Stadtwohnung geeignet: nein
Verwendung: Hüte- und Wachhund, Schutz- und Diensthund, bei viel Zeit und Beschäftigung sowie entsprechender Erziehung auch Familienhund

Rasse, Geschichte und Entwicklung

Bereits seit den 1950er Jahren existiert in der Türkei ein Rassestandard für die Züchtung des Kangals. Traditionell wurden in Anatolien entsprechende Hütehunde besonders für die Bewachung von Schafsherden gezüchtet. Neben dem "Schwarzkopf", dem Kangal, gibt es noch den "Weißkopf "und andere Hütehunde. Vorfahren des Kangals dürften verschiedene Molossertypen sowie Berghunde sein, wobei der Kangal bei beeindruckender Größe ein sehr schlanker Vertreter dieser Familien ist.

Wesen, Charakter und Pflege

In ihrer türkischen Heimat treffen Kangals bei der Bewachung großer Herden eigene Entscheidungen selbstständig. Sie wandern mit den Herden über lange Strecken. Sie leben im Sommer wie im Winter im Freien und schützen die Herde. Ähnlich wie Pyrenäische Berghunde haben sie regelmäßig wenig Kontakt zu Menschen. Ihr Schutztrieb ist sehr stark. Der intelligente, selbstbewusste Hund braucht Aufgaben. Als Dienst- oder Schutzhund zeichnet er sich durch Gehorsam und Mut gegenüber seinem Herrn aus. Er benötigt eine einfühlsame, erfahrene Erziehung, die seine Selbstständigkeit nicht vollkommen unterdrückt. Der Hund braucht Zeit und Kontakt zu seinen Menschen. Er benötigt viel Bewegung und Auslauf, möchte gemeinsam mit dem Rudelführer Abenteuer bestehen. Er ist dominant, worauf sich der Hundehalter einstellen muss. In einigen Bundesländern ist der Kangal leider Listenhund geworden, und nicht wenige Vertreter der Rasse kommen ins Tierheim, weil sich die Halter mit diesem anspruchsvollen Hund zu viel zugetraut haben. Verhaltensauffällig gewordene Kangals sind immer das Resultat von Haltungsfehlern.

Was sein Fell angeht, ist der Kangal denkbar pflegeleicht. Einfaches Bürsten reicht aus. Das Fell trocknet schnell. Kangals sind nicht temperaturempfindlich.

Typische Erkrankungen und rassebedingte Probleme beim Kangal

Der Kangal gilt als sehr robuster und ursprünglicher Hundetyp.
Echte Erbkrankheiten sind bei ihm nicht bekannt.

Er neigt wie alle großen, schweren Vertreter unter den Hunderassen vor allem im fortgeschrittenen Alter zu Problemen mit den Gelenken und dem Bewegungsapparat. Dysplasien und Arthrosen sind nicht untypisch.

Auch Magendrehungen und Schilddrüsenstörungen werden beim Kangal beschrieben.

Gleiches gilt für eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Narkose- und manchen Arzneimitteln. Einige Tiere wachen nach einer Betäubung einfach nicht mehr auf. Gute Erfahrungen bestehen bei Narkosen, die über Propofol begonnen und dann über eine Intubation mit Narkosegas reguliert werden.

Epilepsie und Augenerkrankungen kommen ebenfalls vor wie auch eine gewisse Neigung für einen Befall mit Demodex-Milben, die meist schon von der Mutter an die Welpen weitergegeben werden.

Ernährung des Kangals

Übergewicht sieht man beim Kangal selten, denn er ist ein bewegungsfreudiges, von Natur aus eher sehniges Tier. Tritt sie auf, macht der Halter bei Fütterung und Haltung alles falsch, was falsch zu machen ist. Als großer Hund sollte der Kangal eher zwei- bis dreimal am Tag gefüttert werden, was auch die Gefahr der Magendrehung verringern hilft. Kangals sollten nach dem Fressen ruhen. Ihre Fressnäpfe dürfen erhöht sein, um dem großen Tier das Fressen zu erleichtern. Neigt der Kangal sehr zum Schlingen, dann hindern ihn entsprechende Näpfe daran, damit zu übertreiben. Auch das Schlingen fördert das Risiko einer Magendrehung.

Insgesamt kommt eine proteinreiche, rohe Ernährung wie das Barfen den Bedürfnissen dieses schlanken Riesen entgegen. Gelenkfreundlich wird der Kangal ergänzend mit Omega 3 Fettsäuren und bei beginnenden Entzündungen im Gelenksbereich mit Kurkuma, Teufelskralle und Weihrauch versorgt. So lassen sich Gaben von Schmerzmitteln bei Gelenksbeschwerden hinauszögern oder in der Dosis verringern, da wie beschrieben Kangals häufig mit Nebenwirkungen auf Arzneimittel reagieren.

Fazit

Der Kangal ist ein Hund für Kenner mit viel Zeit und Interesse an seinen Bedürfnissen. Diese Halter belohnt der sensible Hund mit unbedingter Treue und Anhänglichkeit. Gut gehaltene Hunde geben auch einen tollen Familienhund ab, der die Kinder hütet und deren bester Kamerad ist. Alles das gelingt aber nur, wenn der Kangal entsprechend erzogen, bewegt und gehalten wird. Der Prägungsphase zwischen der 8. und 16. Lebenswoche kommt bei dieser Rasse höchste Bedeutung zu. Als Hütehunde werden die Welpen einfach mitten in die zu bewachende Herde gesetzt und begreifen diese als ihr Rudel. Ähnlich konsequent sollte der junge Kangal in seine Menschenfamilie integriert werden, wobei ihm ein sicherer Platz im Rudel zugewiesen werden muss.

Viel Kontakt zum Menschen ist in er ersten Lebensphase des Kangals unabdingbar, soll der Hund später eine ausgeglichene, menschenfreundliche Art entwickeln. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Hund für eine Zwingerhaltung oder ein Alleinbleiben von 8 Stunden und mehr denkbar ungeeignet ist.

Autorinbild
Autor: Thomas

Etwa 8 Mio. Hunde leben in deutschen Haushalten - gesorgt wird sich um die Vierbeiner wie um das eigene Kind. Mit dieser Seite möchte ich euch gern leicht verständliche Informationen rund um die Hundegesundheit zur Verfügung stellen. Zur Seite steht mir eine Tierheilpraktikerin, die das ganze fachlich abrundet.